Mittwoch, 4. Mai 2016

Walter Mossmann - Frühlingsanfang (1979)

Walter Mossmann (born 31. August 1941 in Karlsruhe), the wonderful German singer / songwiter and political activist, died about a year ago, on 29. May 2015 in Breisach. He was a veteran of the 1960s Burg Waldeck Festivals.
 
Walter, under the influence of the student movement, had become a supporter of the anti-authoritarian wing of the Socialist German Students Association. In the 1970s, after a long artistic break, he performed in the anti-nuclear movement as a singer of Flugblattlieder and supporter of a socialism of "the Third Way". As a vehement opponent of the DKP, he articulated a widespread feeling in the folk and Liedermacher scene that the Party (DKP) was dogmatic, conservative and incompatible with the "New Left" with which many of us identified.
 
He called his songs Flugblattlieder to emphasize their everyday use value (Gebrauchswert) as opposed to being a performance art form for public consumption. In the anti-nuclear campaign of the 1970s Mossmann represented the type of intellectual political singer who, from a decidedly anti-capitalist position, used songs to politically enlighten his auience. He held an undogmatic left-wing viewpoint and found himself in constant battles with other left-wing groups in the anti-nuclear movement, who, like the K-Gruppen or the DKP, tried to use the protest for their own ends. His relentless activity as a singer and publicist was one of the key contributing factors to the Wyhl protest movment establishing itself as a model for a whole region´s self-determinde struggle against the plans of the state and industry.
 
Thanks a lot for all the thoughtful songs! Rest in peace!
 
The album "Frühlinganfang" is a live recording from 1979.
 
Tracklist:
A1Lied für meine radikalen Freunde5:17
A2Ballade von der Rentnerin Anna Mack5:59
A3Ballade von Jaime5:40
A4Shtil di Nacht iz eysgeshternt2:25
B1Ballade vom toten Matrosen Walter Gröger4:02
B2Lied vom Lebensvogel7:17
B3Auch ich war in Italien...(Valpolicella)4:10
C1Momentaufnahme (Sheba)5:27
C2Ballade vom Heiteren4:10
C3Radio Grün5:22
C4Grußadresse an einen sozialdemokratischen Machthaber...4:05
D1Hamburger Süßholz5:10
D2Ballade vom zufälligen Tod in Duisburg5:22
D3Freiheitsbüchlein1:37
D4Momentaufnahme (Sense)3:31
 
(128 kbps, cover art included)
 
 
 
"Lied für meine radikalen Freunde
 
Dieses Lied ist für Ann-Marie,
wir haben zusamm'n demonstriert, als die
Polizei mit Gasgranaten schoß
und wir waren doch waffenlos.
Im Knastwagen saß ich ziemlich allein,
aber sie schlich sich zu mir rein,
dann kamen andere Arm in Arm,
Mensch wurde mir da plötzlich warm!
Zuviel Gefangene war'n zuviel
für's Räuber- und Gendarmenspiel,
ein' Rädelführer hau'n die zu Brei -
für Hundert war kein Kittchen frei!
Dir Ann-Marie dank ich den ersten Schritt,
nur wegen Dir kamen andere mit,
was Du getan hast ist radikal
- ach wär's doch normal!
 
Dieses Lied ist für Gustaf auch,
er hat ein Holzbein und ein dicken Bauch,
liebt Kaiserstuhlwein noch mehr als ich
drum geht er nicht korrekt auf'm Strich.
Er ist ein Rundfunkredakteur,
ich sage Euch, der Job ist schwer,
jedenfalls wenn's um die Wahrheit geht,
weil die dort im Giftschrank steht.
Gustaf ließ uns an's Mikrofon,
wir war'n zu deutlich, das reichte schon,
also war seine Karriere kaputt
- was kriegte der Mann auf den Hut!
Du Gustaf hast mal was riskiert,
bloß dass der Rundfunk informiert,
was Du getan hast ist radikal
- ach wär's doch normal!
 
Dieses Lied ist für die Miriam,
die sah damals Fotos aus Vietnam
und wußte, in Hamburg, fern vom Schuß,
was man gegen Krieg machen muß.
Wir brachten Ihr nachts einen Deserteur,
hinter dem war die NATO her,
sie fragte ihn nicht mal, wie er heisst,
hat ihn nach Schweden geschleust.
Ich hoff', sie wurde niemals gefasst,
für solche Taten gab's nämlich Knast,
die Kriegsverbrecher aus Washington
war'n auch am Ruder in Bonn.
Dir Miriam blüht kein Friedenspreis,
den pflückt ein Gangster, der Bomben schmeisst:
Was Du getan hast, ist radikal
- ach wär's doch normal!
 
Dieses Lied ist für die Barbara,
die war in Whyl von Anfang an da,
muss doch drei Kinder versorgen und hat
ein' Job im Büro in der Stadt.
Als unser Auto samt Megaphon
gesucht wurde wegen Agitation
sagte sie nur: "Ein klarer Fall!
Den Käfer versteck' ich im Stall."
In ihrer Herberge war Platz
trotz aller Terroristenhatz.
Unser Käfer saß friedlich im Heu
und Esel und Ochs war'n dabei!
Du Barbara hast nicht Worte gemacht,
sondern geholfen und laut gelacht:
was Du getan hast, ist radikal
- ach wär's doch normal!
 
Dieses Lied ist für Alfred aus
einem gelben Gewerkschaftshaus,
wo mancher heut die Klappe hält,
damit ihn kein Schießhund verbellt.
Ich hab' ihm gesagt, das ist doch Stuss,
der Unvereinbarkeitsbeschluß
und die Atommafia ist kriminell
- trotzdem lädt er mich ein offiziell!
Er ist nicht käuflich, na Gott sei Dank,
weder von Siemens noch der Deutschen Bank,
irgendwann fliegt er aus seinem Büro,
- das ist Berufsrisiko!
Dir, Alfred, verzeih'n sie doch nie,
Deine Lust an der Demokratie,
was Du getan hast ist radikal
- ach tu's doch nochmal!
 
Dieses Lied ist für George Brassens,
den Liedermacher aus der Provence,
der liebt die Leut' und 's Katzenvieh
und bisschen die Anarchie.
Er hat mich gelehrt, mich umzuseh'n
statt aufzuseh'n zu lichten Höh'n;
wo über uns Sitzen Gesässe aus Stein,
Ärsche mit Heiligenschein.
Aber so um uns rum vis-a-vie
Alfred und Gustaf und Ann-Marie,
Miriam oder Barbara,
die brauchen wir und die sind da!
Ich hab' Euch dieses Lied erzählt,
weil sowas leicht auf den Abfall fällt,
was da so klein scheint und normal
- das ist radikal!"
 
 - Walter Mossmann -
 
 

3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Auch dieses Mossmann-Album ist leider down und ich würde mich über ein Re-Up freuen. Danke im Voraus und: tolles Blog!

zero hat gesagt…

Many thanks! There will be a re-up in the next ours... Greetings!

Helmut hat gesagt…

danke für diese aufmunternde Erinnerung weiter zu machen!

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